Die Initiatische Gestalttherapie 

 

ist eine Integration der Initiatischen Therapie (Karlfried Graf von Dürckheim und Maria Hippius) in die Gestalttherapie (Fritz und Laura Perls), indem sie die Gestalttherapie um einige theoretische und praktische Aspekte, insbesondere aber um das Anliegen der Initiatischen Therapie erweitert. Sie versucht Menschen so zu begleiten, dass sie sich „initiatisch“, das heißt sich den Geheimnissen der menschlichen Tiefe öffnend zu ihrer wesensgemäßen „Gestalt“, gemäß ihrem „wahren Selbst“ entwickeln können. „Therapie“ wird somit nicht nur als Heilung, sondern als „Dienst am Heil-sein“, an der „Ganz-werdung“ des Menschen verstanden (Individuation). Die Initiatische Gestalttherapie fördert das Bedürfnis nach Bewusstseinserweiterung im Sinne von Lern- und Erfahrungsbereitschaft, nach Integration der Lebensgegensätze sowie nach Sinn- und Seinserfahrung. Sie unterstützt die Entwicklung einer im „wahren Selbst“ (oder „Wesen“) statt im „kleinen Ego“ verwurzelten Identität sowie den Prozess- oder „Weg“-Charakter der menschlichen Entwicklung. Sie betont die Notwendigkeit einer im leibhaftigen Leben und in der Realität „geerdeten“ Spiritualität. Auf dem Weg einer so verstandenen Spiritualität geht es vor allem um die innere Wandlung der Person durch Erfahrung, Einsicht und Übung (Dürckheim).

 

Nach dem Menschenbild der Initiatischen Gestalttherapie entfaltet sich die Wesensnatur des Menschen als Dreieinheit von Licht, Liebe und Leben:

  • Alle Menschen streben nach Leben - nicht nur nach Überleben und ihrem persönlichen Leben, sondern vor allem nach einer ursprünglichen Lebendigkeit, die uns teilhaben lässt an der „unerträglichen Leichtigkeit“ und der ganzen „Fülle des Seins“ (Dürckheim).
  • Alle Menschen sehnen sich nach Liebe - nicht nur danach, geliebt zu werden, sondern vor allem auch danach zu lieben - das Leben an sich zu lieben und die Liebe an sich zu leben.
  • Alle Menschen suchen nach Licht (als Metapher für Bewusstsein) - nicht nur danach, sich selbst, das Leben und die Welt zu beleuchten, sondern vor allem nach dem „Aufleuchten“ eines Sinns inmitten allen Zweifel und Widersinn!

 

Das Streben nach Leben, die Sehnsucht nach Liebe und die Suche nach Licht in ihren unterschiedlichsten Erscheinungsformen prägen unseren Lebenslauf ebenso wie unsere Bemühungen nach Selbstverwirklichung - auch in ihren verzerrten und illusionären Erscheinungsformen als sogenannte „Schattenseiten“ unserer Persönlichkeit. Letztlich geht es auf dem Weg der Individuation darum, diese Verzerrungen und Schattenseiten unserer Persönlichkeit zu bereinigen und die damit einhergehenden Ängste überwinden zu lernen, um „durchlässig“ zu werden für das Licht, die Liebe und das Leben. Unter Selbstverwirklichung ist somit nicht die rücksichtslose Verfolgung von egoistischen Interessen zu verstehen, sondern die Befolgung des inneren Aufrufs „Werde, der Du bist“, und die wesensgemäße Gestaltung des Daseins.

 

Obere Reihe:  Karlfried Graf von Dürckheim und Maria Hippius

                       Begründer der Initiatischen Therapie

Untere Reihe: Fritz und Laura Perls, Begründer der Gestalttherapie